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Der Transport von Fahrrädern in Zügen - Intermodalität Miniserie 2/3

Freitag, 16. Juli 2021
RadfahrerInnen lieben Züge, aber leider wird diese Liebe nicht immer erwidert. Unzugängliche Bahnhöfe, unklare Informationen auf Buchungsportalen oder keine Fahrradmitnahmemöglichkeit können es mühsam, wenn nicht gar unmöglich machen, eine Fahrradreise mit einer Zugfahrt zu kombinieren. Wir haben in unserem zweiten Teil der Intermodalitäts-Miniserie untersucht, was nötig ist, damit diese schwierige Beziehung zwischen Zügen und Fahrrädern funktioniert und wo entlang der EuroVelo-Routen die Romanze zwischen den Verkehrsmitteln bereits in voller Blüte steht!

Viele Herausforderungen für die Kombination von Fahrrädern und Zügen

Wohnen Sie zu weit von Ihrem Radreiseziel entfernt, um Ihre Radreise auf den EuroVelo-Routen zu beginnen? Oder wollen Sie Ihren Urlaub so planen, dass Sie nur die schönsten Etappen mit dem Rad erkunden? Vielleicht sind Teile einer Radroute aufgrund von starkem Verkehr oder Bauarbeiten derzeit nicht befahrbar. In diesen Fällen kann ein Umstieg auf den Zug eine gute Option sein. Die Bahn ist ein relativ schnelles, bequemes und gut vernetztes Verkehrsmittel, das zusammen mit dem Fahrrad eine tolle Kombination für nachhaltige Mobilität darstellt.

So gut das auch klingen mag, leider ist Bahnfahren mit Fahrrädern oft nicht so einfach. Die meisten Regional- und Nahverkehrszüge akzeptieren Fahrräder an Bord, aber Hochgeschwindigkeits- und Fernverkehrszüge machen den Transport eines Fahrrads immer noch schwierig. Das Bestehen mehrerer Verkehrsanbieter und -unternehmen führt zu variablen Regeln und Vorschriften bezüglich der Fahrradmitnahme, was wiederum die Planung der Reise mit Bahn und Fahrrad für RadfahrerInnen erschwert.

Das zeigt sich oft schon bei der Reiseplanung: Viele Buchungsportale der Bahnbetreiber bieten unklare Informationen, eingeschränkte Sprachoptionen oder verwirrende Ticket- und Reservierungsrichtlinien. Zudem sind die Bahnhöfe und die Züge selbst oft nicht für einen reibungslosen Umstieg und ausgestattet.

Auf dem richtigen Weg, aber noch lange nicht am Ziel

Intercity Berlin, Amersfoort-Osnabrück ©Louise und Jem Clines (ecofamilytravel.co.uk)
Intercity Berlin, Amersfoort-Osnabrück ©Louise und Jem Clines (ecofamilytravel.co.uk)

Ein bedeutender Schritt in Richtung einer fahrradfreundlicheren Zukunft für Züge in Europa wurde kürzlich gemacht. Als Ergebnis der Kampagne "2020 Cyclists Love Trains" der European Cyclists' Federation (ECF) müssen neue und renovierte Züge ab 2025 über mindestens vier Fahrradstellplätze pro Zug verfügen.

Dennoch besteht noch ein großer Bedarf an Verbesserungen. In dem kürzlich veröffentlichten Bericht, der von der European Cyclists' Federation (ECF) erstellt wurde, wurden 69 Eisenbahnunternehmen und -dienste auf dem gesamten Kontinent nach ihrer Fahrradfreundlichkeit bewertet und analysiert, wobei der Schwerpunkt auf Fernreisen lag. Von diesen 69 Unternehmen nehmen 15 (22 %) derzeit keine Fahrräder an, die nicht faltbar sind oder nicht zerlegt werden können. Das NS-DB Gemeinschaftsunternehmen, der Intercity Berlin, der zwischen Berlin und Amsterdam verkehrt, rangiert dagegen aufgrund seiner Flexibilität für die NutzerInnen an erster Stelle. Dies ist eine gute Nachricht für diejenigen, die ihr Fahrradabenteuer entlang der EuroVelo 2 - Hauptstadt-Route oder EuroVelo 7 -Sonnen-Route von Berlin aus starten möchten. Andere Zuggesellschaften, die gut abschnitten, sind die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB), die Nationale Eisenbahngesellschaft Belgiens (SNCB/NMBS), die Deutsche Bahn (DB) und die Ungarischen Staatsbahnen (MÁV-START).

Erwähnenswert sind die aktuellen Änderungen in Frankreich, die ein Vorbild für andere sein könnten. Neben der jüngsten Gesetzgebung für Züge in Frankreich, die mindestens 8 Fahrradplätze pro Zug vorsieht, haben viele Zuglinien beschlossen, die Fahrradplätze für die Hochsaison im Sommer aufzustocken. So wurde entlang der "La loire à Vélo" - einer der meistbefahrenen Fahrradrouten des Landes (und Teil der EuroVelo 6 - Atlantik - Schwarzes Meer) - ein spezieller Zugservice eingerichtet. Zwischen Juni und September werden zu den normalerweise verfügbaren 33 Plätzen mindestens 17 Plätze für Fahrräder hinzukommen. Die NutzerInnen des EuroVelo 1 – Atlantic Coast Route (La Vélodyssée) werden sich auch über die bis zu 25 zusätzlichen Fahrradplätze auf der Linie 41.2U zwischen Bordeaux und Arcachon freuen. Bei beiden Beispielen ist keine Reservierung erforderlich, es fallen keine zusätzlichen Kosten an und es ist sogar jemand auf den Bahnsteigen, der beim Ein- und Aussteigen der Fahrräder hilft!

In Österreich bemühen sich auch die ÖBB, fahrradfreundlicher zu werden. Einige der Nightjets - der Nachtzugdienst, der Österreich mit vielen umliegenden Ländern wie Deutschland, Italien und der Schweiz verbindet - sind mit speziellen Fahrradstellplätzen ausgestattet.

Dennoch gibt es in ganz Europa noch viel Raum für weitere Optimierungen. Die European Cyclists' Federation (ECF) rät Bahnunternehmen, die folgenden Dinge zu beachten, wenn es darum geht, gute Bedingungen für die Fahrradmitnahme anzubieten.

  • Zulassung von nicht faltbaren und nicht demontierten Fahrrädern auf allen Zugverbindungen.
  • Bereitstellung von Fahrradstellplätzen, die für alle Arten von Fahrgästen zugänglich und einfach zu nutzen sind.
  • Die Kosten für Fahrradtickets so niedrig wie möglich zu halten.
  • Die Bereitstellung klarer und übersichtlicher Informationen über Fahrradservices, einschließlich der Buchungs-, Einstiegs- und Ausstiegsvorgänge.
  • Eine europaweite Fahrplanauskunft und die Koordination der Fahrradbeförderungsregeln.
RadfahrerInnen lieben Züge - Europakarte
RadfahrerInnen lieben Züge - Europakarte

Im Jahr 2021, in dem der europäische Green Deal, die Klimakrise und der COVID-19-Erholung ganz oben auf der Agenda stehen, hat die Bahn an Bedeutung gewonnen. In diesem Jahr, das Jahr der 'European Year of Rail', muss das Fahrrad als wichtiger Partner betrachtet werden, damit Züge und Fahrräder als Dream-Team für #MoreCyclingTourism gemeinsam gedeihen können!

Tipps für einen stressfreien Transport von Fahrrädern in Zügen

Wenn Sie eine Zugfahrt in Ihre zukünftige EuroVelo-Radreise einplanen, ist eine gute Vorbereitung oft unerlässlich. Die folgenden Punkte sollten Sie im Hinterkopf behalten, bevor Sie sich mit Ihrem Fahrrad einem Bahnhof nähern.

1. Planen Sie, wenn möglich, im Voraus! Die meisten Fernverkehrsstrecken erfordern eine Reservierung für ein Fahrrad, oft einige Zeit im Voraus, und haben nur begrenzten Platz. Auf den Websites Eurail und Interrail finden Sie einige Hinweise zum Reisen mit dem Fahrrad in Europa.

2. Vermeiden Sie die Hauptverkehrszeit, wählen Sie die Vormittags- oder Nachmittagsstunden für Ihre Reise.

3. Achten Sie auf das Fahrradsymbol an den Zugtüren, das den Fahrradabstellraum markiert.

4. Sprechen Sie mit den anderen RadfahrerInnen im Zug, die den Abstellbereich nutzen. Vergewissern Sie sich, dass deren Fahrräder Sie beim Aussteigen nicht behindern. Lösen Sie die Satteltaschen von Ihrem Fahrrad, um es leichter zu platzieren.

5. Stecken Sie einen Spanngurt in Ihre Satteltaschen. Falls erforderlich (z. B. mehr Platz in den dafür vorgesehenen Räumen), können Sie mit diesem Zubehör Ihr Fahrrad während der Fahrt ordnungsgemäß befestigen.

6. Genießen Sie die Fahrt! Lehnen Sie sich zurück, entspannen Sie sich, betrachten Sie die Landschaft und freuen Sie sich, dass Sie es geschafft haben, ein Fahrrad im Zug mitzunehmen.

Radtouristen beim Austeigen aus der Bahn, Österreichische Bundesbahnen (ÖBB) ©Radlobby
Radtouristen beim Austeigen aus der Bahn, Österreichische Bundesbahnen (ÖBB) ©Radlobby